Über mich (und meine Vorgänger)

Du weißt ja jetzt schon, dass ich Pauline gerufen werde! Eigentlich heiße ich aber

Espero a Pauline von der Saußbachklause

Aber weil es natürlich viel zu lange dauern würde, mich bei meinem vollen Namen zu rufen, heiße ich eben kurz und bündig Pauline! Der hintere Teil, von der Saußbachklause, ist mein Zwingername. Ich  wurde nämlich im Bayerischen Wald geboren - in Freyung, in der Nähe der Saußbachklause. Dort lebte ich dann auch die ersten neun Wochen nach meiner Geburt, zusammen mit meinen fünf Geschwistern Esprit, Etienne, Esmée, Ella-Malou und Eugene bei unserer Mama Whisky, die eigentlich Abbygale of Auld Hemp heißt. Dann gab es da noch die Tanten Kaya, Roxy, Ruby und Onkel Achiko. Aber an die kann ich mich nicht mehr so gut erinnern. Warum die alle anders gerufen werden, als sie wirklich heißen, weiß ich nicht. Von meinen Geschwistern haben nur Esprit, Ella-Malou und ich unsere Namen behalten. Etienne heißt jetzt Malibu, Esmée heißt Mila und Eugene wird jetzt Monty gerufen.

Ich wurde als letzte von uns geboren und wog mit meinen 350 Gramm auch am zweitwenigsten und war am zweitkleinsten. Nur Etienne war noch kleiner als ich. In den ersten paar Wochen schlief ich sehr viel, was meine Züchterin Uschi zu der irrigen Annahme verleitete, ich sei die ruhigste und bravste von uns allen. Das erzählte sie auch Regina, die von Anfang an recht klare Vorstellungen davon hatte, was sie für einen Hund haben wollte: ein Mädchen sollte es sein, schwarz-weiß sollte sie sein, ruhig und verschmust sollte sie sein (wegen dem späteren Einsatz im Seniorenheim).

Regina hatte schon viele Hunde - also nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Sie  sagt, in ihrem Leben gab es nie eine Zeit ohne Hund! Sie ist mit einem Spitz aufgewachsen, der ihrer Oma gehörte. Sie wollte aber immer schon einen eigenen Hund haben. Als Kind hat sie sogar Hunde aus den Vorgärten der Nachbarschaft gestohlen. Die liefen natürlich immer wieder nach Hause zurück. Einmal stahl sie aber einen Welpen, einen Cocker Spaniel. Der war noch zu klein, um wieder nach Hause zurückzufinden und sie erzählte ihren Eltern nicht, wo sie ihn mitgenommen hatte. Erst der Briefträger klärte die Lage und der Welpe kam wieder zurück zu seinen Besitzern. Regina bekam dann einen kleinen Mischling aus dem Tierheim, der aber nach einiger Zeit, als es in der ganzen Nachbar-schaft keine jagbaren Hühner mehr gab, wieder ins Tierheim zurück musste. Dafür zog bald darauf ein Collie Welpe ins Haus ein. Und der blieb, bis er mit 14 Jahren starb.

Vorher hatte sie sich aber ihren ersten eigenen Hund geholt. Da war sie selbst 20. Es war eine Mischlingsdame, klein und wollig, mit Namen Ghana. Ghana machte den Umzug von Unterfranken nach Oberbayern mit. Ghana konnte sogar reiten. Wenn sie bei Ausritten müde wurde, dann durfte sie vor Regina im Sattel sitzen. Das muss ich nicht unbedingt lernen. Brauch ich auch nicht! Ich bin schnell und werde nie müde!

Als Ghana vier oder fünf war, holte Regina sich einen zweiten Hund dazu: einen deut-schen Schäferhund-Welpen, auch wieder eine Hündin, Connie vom Silva Boemica. Die kam aus Fürstenzell bei Passau. Also gar nicht so arg weit von meinem Geburtsort entfernt. Connie wurde Hofhund im Gestüt, in dem Regina damals wohnte, und durfte Pferde hüten. Sie hütete aber auch Katzen und Reitschulkinder. Ghana und Connie bekamen je einmal Junge, weil Regina nicht aufgepasst hatte. Connie war während einer Läufigkeit auch einmal weggelaufen und blieb eine ganze Woche verschwunden, bis man sie in Landshut wieder fand. Seitdem werden Reginas Hunde ausnahmslos kastriert.

Als Ghana starb, kam Janosh, ein schwarzer Cocker-Mischling. Der wurde allerdings im Alter von einem Jahr überfahren, weil er auf die Straße lief. Vorher hatte er sich aber bei einer der Hundedamen in der Nachbarschaft noch verewigt. Regina bekam einen Welpen aus diesem Wurf - Jana. Mit Jana und Connie zog Regina vom Gestüt auf unseren Bauernhof um, weil sie inzwischen Schos kennengelernt hatte. (Das ist mein Herrchen. Der ist toll! Bei ihm darf ich alles, was Regina mir verbietet!)

Jana war ähnlich schnell wie ihr Papa und wurde in der ersten Läufigkeit von einem Collie gedeckt. Der hieß Rocky und durfte nur mit Maulkorb rumlaufen, weil er bissig und sehr gefährlich war. Jana bekam drei Welpen und einer davon durfte auf unserem Hof bleiben. Regina sagt, Benji war der beste Hofhund ever! Er meldete sofort, wenn im Stall ein Rind-vieh los war oder wenn ein Kalb geboren wurde. Das mit dem Kalb hab ich neulich aber auch schon hinbekommen! Er hatte auch ein paar Gene von seinem Papa geerbt und ließ absolut niemanden auf den Hof, der da nicht hin gehörte. Er hat aber in seinem ganzen Leben nie jemanden gebissen! Es ging allerdings auch kein Fremder an ihn ran!

Connie wurde 16 Jahre alt und als sie starb, kam Emma - meine Vorgängerin. Und als Benji auch mit 16 Jahren über die Regenbogenbrücke ging, zog noch ein Hundemädchen auf dem Hof ein. Soferl war ein Schäferhund-Berner-Senn-Mischling. Soferl und Emma waren ein eingespieltes Team. Die beiden wurden des öfteren vom Jäger im Wald aufge-griffen und im Kofferraum seines Autos nach Hause gebracht. Die zwei hatten eben einen enormen Bewegungsdrang.

Emma war die erste von Reginas Hunde-Damen, mit der sie zur Hundeschule ging. Allerdings nicht sehr lange, weil man ihr nahelegte, dem Unterricht doch bitte fernzubleiben. Emma hütete nämlich die anderen Welpen und ließ diese nicht von ihren Herrchen und Frauchen weggehen. Emma durfte Regina auf ganz viele lange Tageswanderungen begleiten, obwohl sie schon früh an Arthrose litt. Vor zwei Jahren, als Emma 14 Jahre alt war, wurde sie von ihren Schmerzen erlöst und ging über die Regenbogenbrücke. Für Regina stand da schon fest, dass sie nach dem Winter wieder einen Welpen haben wollte. Wieder ein Mädchen und diesmal einen reinen Border-Collie. Und sie sollte Pauline heißen!

So machte sie sich also im Internet auf die Suche nach einem Züchter, der einen Wurf plante, der im Februar oder März abzugeben wäre. Sie wollte nämlich im Februar erst noch einmal auf eine lange Wanderung gehen und den Welpen dann danach zu sich holen. Für sie stand da auch schon fest, dass sie ihren neuen Hund richtig ausbilden und dann Besuche im Seniorenheim machen wollte. Bei ihrer Suche stieß sie auf meine Mama.

Sie fand die Homepage meiner Züchterin, in der stand, dass ein Wurf geplant wurde. Da stand aber nicht dabei, welche der Hundedamen Welpen bekommen sollte. Auf den Fotos gefiel Regina aber gleich Whisky am besten. Und als sie von Uschi erfuhr, dass genau das meine Mama werden sollte, da wusste sie ganz sicher, dass sie aus genau diesem Wurf ihren Welpen bekommen würde. Da war meine Mama noch gar nicht läufig!

Als wir am Zweiten Weihnachtsfeiertag zur Welt kamen, wurden wir gleich gewogen und fotografiert. Dazu bekam jeder von uns ein andersfarbiges Halsband mit auf die Decke gelegt. Damit man uns unterscheiden konnte. Bei Esprit war das gar nicht nötig gewesen. Der ist nämlich als einziger von uns black-merle - also gefleckt und blaue Augen hat er auch. Und außerdem war er der dickste von uns allen.

Uschi hat Regina gleich mitgeteilt, dass wir da sind und Regina hat sich sofort die Fotos angesehen. Dabei hat ihr zwar Ella-Malou am besten gefallen aber ich habe mich immer wieder in ihr Unterbewusstsein geschlichen - sagt sie. Ich winziges kleines Ding habe da wohl Muttergefühle oder so was ausgelöst. Außerdem hat Uschi ihr schon bald erzählt, dass Ella-Malou so ein Treibauf wäre und daher für Seniorenbesuche wohl nicht geeignet sei, ganz im Gegensatz zu mir. Esmée hatte Regina eigentlich nie auf dem Schirm. Na und irgendwann hat sie wohl ihrem Unterbewusstsein geglaubt und ganz sicher gewusst, dass wir beide zusammengehören, auch wenn sie nicht unbedingt so eine Schlaftablette haben wollte.

Ich dagegen war mir da nicht so sicher! Weder, dass wir zusammengehören, noch dass ich eine Schlaftablette sein sollte! Zugegeben, als Regina mich das erste Mal besuchte - da war ich sieben Wochen alt -  schlief ich die erste Stunde voll durch. Ich fand es überhaupt nicht komisch, dass diese fremde Frau plötzlich in unseren Auslauf stieg, sich auf den Boden setzte und mich aufweckte. Ich wollte schlafen oder allenfalls meine Geschwister ärgern. Sie holte mich aber zu sich und streichelte mich. Gefiel mir gar nicht! Die sollte mich in Ruhe lassen! Ich büchste ihr dauernd wieder aus und versteckte mich unter Esprit und Ella-Malou, den beiden dicken. Regina überlegte schon ernsthaft, ob sie mich nicht doch lieber gegen Etienne eintauschen sollte. Der hatte nämlich noch keine Familie für sich gefunden. Wäre mir ganz recht gewesen!  Kam aber anders! Etienne, oder Malibu, wie er jetzt heißt, hat dann sogar sehr schnell jemanden gefunden und wohnt jetzt mit drei großen Border Collie Buben zusammen im Allgäu und ist bereits ein You-Tube-Star.

Uschi fiel mir nämlich in den Rücken und erlaubte der fremden Frau, mich aus dem Auslauf zu nehmen. Was diese auch sofort tat! Nun saßen wir also auf der Couch, ich auf ihrem Schoß, und sie hielt mich fest. Egal wie sehr ich mich auch wehrte, ich kam nicht los von der. Dann wurde es mir doch zu bunt und ich drehte mich um, kletterte an ihrem Bauch hoch und sah ihr mit meinem stechenden Borderblick tief in die Augen. Und genau das war wohl der Auslöser dafür, dass sie doch mich zu sich nahm, auch wenn mir das in dem Augenblick nicht bewusst war. Sie setzte mich nämlich in den Auslauf zurück und fuhr endlich wieder weg. Eine zeitlang hatte ich nun meine Ruhe und wir durften jetzt auch immer öfter hinaus ins Freie. Da lag ganz viel Schnee und man konnte sogar von den Schneehügeln aus über den Zaun...... ;-)    Allerdings wurden in den nächsten Wochen schon ein paar  meiner Geschwister von ihren neuen Familien abgeholt.

Zwei Wochen später war Regina wieder da und mit ihr ein junger Mann, Florian. Die beiden packten mich einfach ein und nahmen mich in ihrem Auto mit. Florian saß am Steuer des Autos und Regina, die daneben saß, hielt mich wieder auf ihrem Schoß fest. Ich wollte aber nach wie vor weg von der Frau und zappelte energisch aber erfolglos herum. Die Fahrt dauerte ganz schön lange und zwischendurch hielten wir mal zu einer kleinen Pause. Florian verschwand kurz bei McDonalds. Regina hatte mich in der Zwischenzeit auf eine kleine Wiese getragen und dort abgesetzt. Da fuhren aber so viele Autos vorbei, dass ich mich fürchtete und zum ersten Mal froh war, als Regina mich wieder auf den Arm nahm. Aber noch froher war ich, als Florian mit einer verlockend duftenden Tüte wieder zurückzukam und ich flüchtete sofort zu ihm und kuschelte mich in seine Arme. Er musste aber Auto fahren, sodass ich wieder zurück auf Reginas Schoß wanderte, wo ich von ihr ein großes Stück von ihrem Burger und ein Salatblatt bekam.

Schicksalsergeben rollte ich mich anschließend zusammen, steckte meine Schnauze zwischen meine Hinterbeine und verschlief den Rest der Fahrt. Als ich wieder aufwachte, waren wir bereits dort angekommen, was mein neues Zuhause werden sollte. Wie es da aussieht, wie es mit mir weiterging und was ich da seitdem alles erlebt habe, könnt ihr auf meiner Seite "Mein Bauernhof" verfolgen.


 

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Pauline, 9 Wochen alt   

Regina und Buwi  

Lux  

Ghana 

Connie 

Benji  

Whisky