• Pauline

Die Karfreitagsmaus

Hallo zusammen,

ihr glaubt ja nicht, was ich heute alles erlebt habe! Also gleich heute früh nach dem Aufstehen bin ich sofort runter in Nachbars Feld gefetzt und hab mich erst einmal ordentlich in der frischen Gülle gewälzt. Regina hat mich nämlich gestern Abend tatsächlich geduscht und diesen Veilchen-Geruch von dem Shampoo hält man ja im Kopf nicht aus! Aber der Nachbar hatte die Gülle bereits untergepflügt und so hab ich noch immer den Veilchen-Duft im Fell. Eklig!


Dafür hab ich heute Abend meinen roten Quietsche-Ball wieder bekommen. Der Schos hat ihn mir aus der Dachrinne geholt. Und dann haben Regina und ich noch eine ganze Stunde lang Obedience und Tricks geübt.


Aber eigentlich wollte ich euch ja ganz was anderes erzählen. Nämlich die Sache mit der Karfreitagsmaus.


Also, die Karfreitagsmaus ist bereits am Gründonnerstag bei uns eingezogen. Als wir gestern Abend zu Bett gehen wollten, hat Flocke mir erzählt, dass in der Küche hinter dem Kühl-schrank eine Maus sitzt. Flocke ist eine meiner Lieblingskatzen. Wir haben ja sechs von der Sorte, aber Flocke und Maunze mag ich am liebsten. Die laufen nämlich beide noch immer vor mir davon und dann kann ich wie der Wind hinter ihnen herjagen. Das darf ich natürlich nicht oder besser gesagt, ich darf mich dabei nicht erwischen lassen. Sonst gibts Ärger.


Gestern jedenfalls, beschlossen Flocke und ich, die Maus gemeinsam zu fangen. Das Problem war nur, dass der Kühlschrank so nah an der Wand steht, dass man da so schlecht dahinter kommt. Ich rannte von einer zur anderen Seite, kam aber einfach nicht ran. Regina sah mit der Taschenlampe hinter und unter den Kühlschrank und behauptete, da wäre nix. Dann rief sie zum Schlafen-gehen aber ich wollte lieber mit Flocke in der Küche bleiben. Durfte ich ja zuerst auch. Aber nach einer halben Stunde kam Regina nochmal und als sie sah, dass ich schon das ganze Elektrokabel hinter dem Kühlschrank hervorgeholt hatte, musste ich doch mit ins Schlafzimmer. Ich war viel zu unruhig zum Schlafen und geisterte im Zimmer herum, bis Regina böse wurde und sagte, ich solle mich endlich hinlegen und Ruhe geben. Wie soll man denn Ruhe geben, wenn da eine Maus in der Küche ihr Unwesen treibt?


Ich bin dann aber doch irgendwann vor lauter Aufregung eingeschlafen und weil der Mond diese Nacht nicht ins Fenster scheinen konnte (Regina hatte das Rollo heruntergelassen) schlief ich sogar viel länger als sonst. Diesmal musste Regina mich aufwecken, statt ich sie! Als wir dann in die Küche kamen, hatte Schos schon den Kühlschrank von der Wand weg geschoben. Er sagte aber auch, da wäre keine Maus. Dass die Menschen immer so stur sein müssen! Ich konnte die Maus doch riechen und wollte sie gleich fangen! Aber nein, zuerst musste ich mit in den Stall, dann gabs Frühstück und dann fing Regina an zu kochen. Keine Sau kümmerte sich um die Karfreitagsmaus!


Jetzt wurde es mir zu dumm! Ich fing ganz laut zu schnüffeln an und rannte immer um den Kühlschrank herum. Daraufhin rückte Regina mit dem Staubsauger an, den ich eigentlich ja gar nicht leiden kann. Der ist mir irgendwie unheimlich. Regina saugte die ganze Rückwand des Kühlschranks ab und plötzlich schlug sie mit dem Staubsaugerrohr auf den Boden und rief laut nach Schos. Erst wusste ich nicht, was geschehen war, doch dann roch ich den Angstschweiß der Maus und sah, dass Regina ihr den Schwanz unter dem Staubsaugerrohr einklemmte. Schos kam und brachte Handschuhe. Wofür er die brauchte, weiß ich aber nicht. Als Regina nach den Handschuhen griff, konnte sich die Maus aber befreien und weg war sie wieder.


Jetzt hatten die beiden aber gesehen, dass ich recht hatte und dass es die Karfreitagsmaus wirklich gab! Regina holte Werkzeug, einen Schraubenzieher, und schraubte damit an der Rückwand des Kühlschrankes herum. Dann baute sie die Verkleidung ab und darunter kamen viele Elektrokabel zum Vorschein. Da traute sie sich dann nicht mehr weiter heran und rief lieber Michael, unseren Nachbarn, dazu. Michael ist Elektrikermeister, oder so was. Er kam sofort und schaute sich die Sache an, dann zog er an den Kabeln und holte sowas wie eine Schublade aus dem Kühlschrank heraus. Dabei konnte er sehen, dass die Maus noch weiter unten, gleich hinter der Bodenplatte saß.


Die Kühl- und Gefrierfächer wurden komplett ausgeräumt und Regina legte den ganzen Kühlschrank auf die Seite. Das war alles so furchtbar aufregend! Ich war total nervös und wollte unbedingt ganz nach vorne, um besser sehen zu können. Doch Michael schickte mich immer wieder zurück. Dann nahm er einen dünnen Bambusstock, dünner als ein Bleistift, und stocherte damit unter die Bodenplatte, während Regina versuchte, die Maus mit der Grillzange zu fangen. Mit der Grillzange! Hast du Worte! Menschen sind manchmal so ungeschickt. Das klappte natürlich nicht und plötzlich hieß es, die Maus käme nicht heraus, weil sie mich sehen konnte. Das war ja wieder typisch! Erst hatten sie mir nicht glauben wollen, dass es die Karfreitagsmaus gab und nun war ICH Schuld, dass sie zu blöd zum Mäusefangen waren!


Schos ging nach draußen und holte den Traktor, den er rückwärts an die Haustüre heranfuhr. Wollte er die Maus jetzt überfahren? Nein, es sagte, er will den Luftschlauch an den Kompressor vom Traktor anschließen und diese dann mittels Druckluft aus dem Kühlschrank pusten. Was für ein Aufwand, wegen so einer kleinen Maus! Die sollten mich hin lassen! Ich würde den Kühlschrank zerlegen und die Sache wäre ausgestanden! Aber nein!


Ich wurde weggesperrt - ins Esszimmer und Regina schloss die Schiebetür! Ich war sowas von stocksauer! Ich hörte, wie Regina den Staubsauger wieder einschaltete. Ich wollte doch die Maus haben und jetzt sollte der Staubsauger sie fressen?

Plötzlich schrien alle durcheinander, die Schiebetüre wurde wieder aufgeschoben und ich hörte nur noch, wie Regina endlich den Befehl gab: "Pauline, pack die Maus!" In diesem Moment sah ich nur noch die Maus! Ich vergaß sogar meine Angst vor dem Staubsauger und stürzte auf ihn zu, doch Regina deutete in die andere Richtung. Jetzt zahlte sich aus, dass ich im Obedience gelernt habe, dahin zu gehen, wohin Regina mich schickt. Die Maus versuchte noch, ins Esszimmer zu flüchten, doch sie hatte nicht mit meiner Schnelligkeit gerechnet. Es war ein einziger Biss - und die Karfreitagsmaus war Geschichte!


Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich jetzt gelobt wurde. Brave Pauline, super Pauline, gute Pauline! Ach, wie gerne ich das höre! Um die Karfreitagsmaus durften sich dann die Katzen streiten. An einer toten Maus habe ich nämlich kein Interesse. Was soll ich auch damit? Die rennt ja nicht mehr weg!


Am Nachmittag bemerkte ich dann eine Eidechse, die sich im Hof hinter der Mülltonne versteckt hatte. Die hatte ich so schnell gefangen, dass sie nicht einmal Zeit hatte, ihren Schwanz abzuwerfen, wie Eidechsen das sonst so machen. Aber von Regina kam sofort das Kommando: "Spuck sie aus, Pauline!" Dann hieß es: "Böser Hund! Man fängt keine Eidechsen!" Versteh einer die Menschen!


So, ich muss aufhören. Bin hundemüde und muss ins Bett. Morgen ist sicher wieder ein langer Arbeitstag. Macht´s gut. Bis zum nächsten Mal!



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