• Pauline

Sommerzeit

Hallo zusammen

Ich weiß, ich weiß, ich hab jetzt eine Zeitlang nix von mir hören lassen, denn ich war sehr beschäftigt. Ich musste an meiner Seite weiterschreiben, damit da endlich mal was vorwärts geht. Ja, und zwischendurch wollte Regina auch an ihrer Seite weiterschreiben und ich konnte tagelang nicht an den PC. Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, ich hätte mich niemals darauf eingelassen, zusammen mit ihr eine Website zu gestalten. Allein schon die Domain: www.jakobsundanderewege.com Da kommt doch keine Sau drauf, dass das MEINE Website ist! Aber egal! Ich wollte euch ja eigentlich auch ganz was anderes erzählen.


Vor vier oder fünf Wochen wurden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Manche mögen ja darüber jammern, ich finde es toll! Ich muss morgens nicht mehr so lange im Haus bleiben, weil Regina jetzt schon in der Dämmerung aufsteht, also meist gleich, nachdem ich sie wecke. Dann lässt sie Blue ins Haus, der sich sofort im Esszimmer auf die Couch kuschelt, und danach geht sie mit mir in den Wirtschaftsraum. Dort beobachte ich genau, was sie als nächstes macht. Zieht sie ihre alte Hose und die Stallschuhe an, dann weiß ich, dass lediglich die Stallarbeit früher beginnt und renne, sobald die Türe aufgeht, sofort los in Richtung Stall. In der Regel komme ich allerdings nicht sehr weit, weil mich ein scharfer Zischlaut stoppt. Regina mag es nicht, wenn ich so losstürme. Dann muss ich wieder umkehren, mich neben sie hinsetzen und warten, bis sie "okay" sagt. "Okay" ist übrigens mein Lieblingswort! Dann darf ich nämlich lossausen!


Sehr oft fangen wir aber nicht so früh mit der Arbeit an. Meist zieht sie nämlich in der Früh erst einmal eine Jeans oder Jogginghose und ihre Wanderstiefel an. Da weiß ich dann schon, dass wir spazieren gehen werden und renne, statt in den Stall, zum Hof hinaus. Aber auch da stoppt mich der Zischlaut! Na, und seit ich neulich mal ein Reh aufscheuchte, muss ich morgens zum Spazierengehen wieder mein Geschirr anlegen und werde die ersten Minuten an die Schleppleine genommen. Aber sobald ich mich davon überzeugt habe, dass kein Reh und auch keine Wildsau da ist, beruhige ich mich und darf ohne Schleppleine laufen.


Es gibt allerdings auch Tage, da will Regina einfach nicht aufstehen, wenn ich sie wecke! So wie gestern zum Beispiel. Manchmal sagt sie dann: "Pauline, es regnet doch!" Was hat denn Regen damit zu tun? Deshalb kann man doch aufstehen und spazieren gehen. Oder neulich war der Wind daran Schuld! Aber gestern hieß es: "Es ist Feiertag und außerdem erst halb fünf!" Das verstand ich gleich dreimal nicht! Was ist denn ein Feiertag? Was feiert man da? Wahrscheinlich die Geburt der Zwillingskälber. In dieser Nacht hatte nämlich so gegen Mitternacht eine Kuh gekalbt. Ich hatte es gehört und laut Alarm geschlagen. Regina sagte zuerst, da wäre nix. Wir waren schließlich eine viertel Stunde zuvor, bevor wir zu Bett gingen, erst im Stall gewesen und hatten nachgeschaut. Aber ich hatte recht! Ein Kalb war schon da, das andere zogen Schos, Hildegard und Regina heraus aus der Kuh. Ich hatte mithelfen wollen, aber wie üblich hieß es: "Pauline, geh zur Seite!" Bis dann die Kuh gemolken war und die Kälber versorgt und gefüttert, war es schon nach halb eins und ich dachte, wenn wir schon auf sind, könnten wir ja auch gleich spazieren gehen. Regina wollte aber wieder ins Bett. Als dann knapp vier Stunden später die ersten Vögel zu singen begannen, weckte ich Regina. Und dann kam sie mir mit der Ausrede vom Feiertag! Als sie gar nicht aufstehen wollte und ich ihr die Decke wegzog, damit ich ihr besser das Gesicht ablecken konnte, stand sie auf. Ja, endlich! Aber sie bedachte mich mit einem mürrischen Blick, schickte mich in meinen Kennel und sperrte die Tür zu! Dann ging sie wieder ins Bett und schlief sofort ein. Ich mag keine Feiertage!


Heute früh kam Maxi mit zu unserem Spaziergang. Die ließ sich einfach nicht davon abhalten. Regina warf sogar einen Stein in Maxis Richtung, aber das ermunterte die dumme Katze nur noch mehr. Im Grunde ist es mir egal, ob Katzen mitlaufen oder nicht, nur laufen wir dann nicht so weit, sondern höchstens einmal um die Kiesgrube. Das schaffen wir locker in 20 Minuten, außer, wenn die Katzen wieder trödeln. Maxi trödelte nicht, sondern rannte voraus und ich konnte ihr wegen der depperten Schleppleine nicht so schnell folgen. Am Waldrand kam uns Mucki entgegen. Der kam wohl gerade von der Mäusejagt heim. Der ist da wie sein Herrle Florian, der geht auch zum Arbeiten woanders hin, obwohl es daheim genug zu tun gäbe. Versteh ich nicht!


Maxi forderte Mucki gleich auf, mitzukommen. Mucki drehte auch wieder um und folgte uns, allerdings unter lautstarkem Protestmiaue. Der maulte bis zum Koblerberg und sogar noch ein Stück drüber raus. Erst als wir den Koblerberg hinunterliefen, hörte er damit auf und setzte sich auf einen Baumstumpf. Der Koblerberg ist gar kein richtiger Berg. Das ist nur so eine Geländestufe und auch nur ein paar Meter hoch. Hinunter führt ein Hohlweg und rechts und links von diesem Hohlweg, stehen ein paar Baumstümpfe. Links saß jetzt Mucki und ihm gegenüber, rechts von Hohlweg, war Maxi auf einen Baumstumpf geklettert. Da saßen sie nun wie zwei Wächter auf ihren Türmen und bewachten den Weg. Wir gingen heute nur bis zum Lukaskreuz, dort nahm Regina mir die Leine ab und wir kehrten wieder um.


Das Lukaskreuz heißt so, weil dort, bei dem Kreuz, vor über 150 Jahre ein Mann mit Namen Lukas mit einem Pferdefuhrwerk verunglückt war. Er hatte Holz geschleift, die Pferde hatten gescheut und waren ihm durchgegangen. Dabei war er gestürzt, unters Holz geraten und von den Pferden zu Tode geschleift worden. Etwa hundert Meter weiter gabelt sich der Weg mehrfach - wie bei einem Hexenplatz. Regina nennt die Stelle ihren Kraftort und immer, wenn wir dort vorbeikommen, müssen wir eine Weile stehen bleiben, damit Regina sich da im Kreis drehten kann. Manchmal stellt sie sich auch einfach nur hin und schaut zu den Baumkronen hinauf. Dabei schließt sie die Augen, was ich gar nicht verstehen kann. Dann sieht sie die Baumkronen doch gar nicht! Aber sie sagt, mit geschlossenen Augen könne man manchmal noch besser sehen! Versteh einer die Menschen! 

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