• Pauline

Sonntags am Inn

Hallo zusammen


ich hab heute leider keine Zeit für einen neuen Blog-Beitrag. Regina sagt, ich muss mit meiner Website endlich einmal in die Gänge kommen. Deshalb stelle ich hier heute nur einen alten Beitrag ein, den Regina letztes Jahr im September schon geschrieben hat. Viel Spaß beim Lesen und vielleicht erfahrt ihr dann morgen schon auf meiner Seite, wie es bei mir auf dem Hof so zugeht und was ich in den ersten Wochen in meinem neuen Zuhause alles erlebt habe.

Macht´s es gut bis zum nächsten Mal!





Immer wieder sonntags

trifft man am Inn die seltsamsten Typen der Spezies Hundehalter und nicht selten erhält man, ungebeten, die unterschiedlichsten Ratschläge für die eigenen Fellnasen. So auch gestern wieder.

Die Wärme und das schöne Wetter ausnutzend, fahren mein Mann und ich mit unseren beiden Jungspunden die paar Meter zum Inn runter. Wir hatten tags zuvor gesehen, dass der Wasserstand nie

drig genug war, um unserem Blue mit seinen nicht ganz fünf Monaten ein Bad in den Fluten schmackhaft zu machen. Pauline kennt den Inn schon von früheren Besuchen her, mehr als nasse Pfoten hat sie aber bisher auch noch nicht bekommen.

Kurz vor Erreichen meiner bevorzugten Badestelle, hören wir, dass bereits mindestens ein Hund am Wasser ist und leinen unsere Racker vorsichtshalber erst einmal an, während wir uns lautstark als Hundehalter zu erkennen geben. Pauline hängt nun an einer 10m-Schleppleine, Blue an der 5m-Leine, beide allerdings kurzgefasst. Noch bevor wir Menschen, oder auch nur das Wasser, zu Gesicht bekommen, erscheint aus dem Gestrüpp ein Kopf und Sekundenbruchteile später, baut sich der zugehörige Windhund, der mir locker bis zu den Hüften reicht, vor mir auf.

Pauline haut die Bremse rein und Blue versteckt sich hinter mir. Ich stelle mich breitbeinig und Größe vortäuschend vor meine Hunde, während mein in Fragen der Hundeführung eher unerfahrener Mann mir aus sicherer Entfernung den Rücken stärk und vorsichtig den Rückzug sichert. Im nächsten Moment erhält der Windhund Verstärkung in Form eines dackelähnlichen Gefährten, der mir, meine scheinbare Größe missachtend, augenblicklich zwischen den Beinen hindurchschlüpft.

Ein fragend formuliertes „Hallo?“ ruft einen Bekannten von uns auf den Plan, der sich uns bisher nicht unbedingt als Hundefreund geoutet hatte. Über das Gebüsch hinweg erkenne ich zudem einen weiblichen Kopf und frage in dessen Richtung, ob ich meine Hunde ableinen könne, worauf ich ein eher ungeduldiges „Ja sicher doch!“ als Antwort erhalte. Na, fragen wird man ja wohl noch dürfen?!

Gesagt getan, Leinen los und runter zum Inn. Erst jetzt bemerke ich das ganze Ausmaß der Bescherung! Da steht eine schlanke Frau, etwa in meinem Alter, mit ca. fünf oder sechs Hundeleinen um den Oberkörper geschlungen, an denen jeweils ein weiterer Vertreter seiner Rasse hängt, während mindestens ebenso viele freilaufend auf uns zustürmen. Ich verliere kurzfristig den Überblick, derweil unser Bekannter versucht, uns mit der Dame bekanntzumachen, die er speziell mir als Hundeschulen-Besitzerin offeriert. Doch Frau X aus Y dementiert und klärt mich darüber auf, dass sie keine Hundeschule im klassischen Sinne betreibt, sondern auf ihrem Hof Seminare über die Körpersprache des Hundes und den Freilauf in Wald und Flur abhält.

Während ich versuche herauszufinden, wo Pauline sich gerade befindet und gleichzeitig Blue beruhige, der mit eingezogener Rute und seitlich auf die Vorderbeine gelegtem Kopf Lefzen leckend zwischen meinen Füßen Schutz sucht, erhalte ich ungebeten bereits einen Vortrag über die Körpersprache des Hundes und darüber, dass die wenigsten Hundehalter ihren Hund lesen können. Also, was Blue mir gerade durch seine Körpersprache zu vermitteln versucht, muss ich nicht lange analysieren. Und währenddessen mein Mann ehrfurchtsvoll dem Vortrag lauscht, wird Pauline von der Meute das Inn-Ufer hinuntergekugelt.

Dem Pfiff, der sie zu mir rufen soll, hat Pauline noch nie zuvor so freudig folgegeleistet. Ich signalisiere der Dame, dass ich an ihrem Vortrag nicht interessiert bin, sondern jetzt lediglich ans Wasser will. Also, leine ich meine beiden wieder an und gehe in sicherem Abstand an ihr und den nach wie vor an sie angeleinten Hunden vorbei.

Ich komme jedoch nicht weit, denn nun will Frau X von mir wissen, warum Pauline und Blue an der Schleppleine hängen, wo doch jeder verantwortungsbewusste Hundehalter wisse, wie lebensbedrohlich Biothane-Schleppleinen seien. Sie wartet aber meine Antwort nicht ab, sondern verabschiedet sich und trottet mit ihrer Meute unserem Bekannten hinterher. Ich setze meine Mini-Meute noch einen weiteren Augenblick der biothanen Lebensgefahr aus, bis auch wirklich kein einziges Windhundehaar mehr zu sehen ist, und leine die beiden dann wieder ab.

Mir ist nicht ganz klar, ob nun die Schleppleine als solche eine Gefahr darstellt, oder lediglich das Material aus dem sie besteht. Und ist sie für meine Hunde gefährlich oder muss ich gar um mein eigenes Leben fürchten? Mit solcherlei Gedanken im Kopf stapfe ich durch das Wasser des Inn-Seitenarms zur einige Meter entfernten Kiesbank. Erst das Platschen rechts und links neben mir schreckt mich aus meinen Überlegungen auf.

Pauline und Blue ziehen offensichtlich meine Gesellschaft der von Frau X und ihrer Meute vor. Denn ohne lange zu zögern springen beide mit Riesensätzen ins Wasser und folgen mir zur Kiesbank.

Ach ja, ich habe mich später dann an den PC gesetzt und Mr. Google nach Frau X aus Y befragt. Der spuckte mir dann gleich mehrere wohlklingende Titel von Büchern um die Ohren, die Frau X in ihrer Eigenschaft als Hunde-Expertin geschrieben hat. Auch Blogs gibt es und sogar eine Kolumne. Wer hätte das gedacht?

Aber auch in der Gemeindeverwaltung des Dorfes, wo Frau X ihren Wohnsitz hat, ist sie gut bekannt. Liegen dort doch zahlreiche Beschwerden gegen sie vor, weil ihre Hunde schon mehrfach alleine in Wald und Flur unterwegs waren. Die Hasen und Kaninchen, die sie dabei oftmals im Fang halten, waren sicher alle vorher schon tot und sie haben diese lediglich apportiert.

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Espero a Pauline

von der Saußbachklause

Pferde- und Landwirtschaftsmeisterin

geboren am 16. Dezember 1960

verheiratet

bisher drei veröffentlichte Bücher

Hobbys Wandern, Malen, Schreiben und Pauline

Border Collie

geboren am 26. Dezember 2018

ledig und kastriert

Besuchs- und Lesehund

Hobbys Obedience, Tricks, Löcher in den Garten graben

Regina Haumaier

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